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5 Minuten Lesezeitadiura Redaktion

Der ReFa-Mangel in Zahlen: Warum Kanzleien 2026 umdenken müssen

Wer heute eine Rechtsanwaltsfachangestellte (ReFa) sucht, kennt das Problem: Die Stellenanzeige läuft monatelang, Bewerbungen bleiben aus, und die Verwaltungsarbeit stapelt sich auf dem Schreibtisch der Anwältin oder des Anwalts selbst. Das ist kein subjektiver Eindruck — die Zahlen belegen einen strukturellen Engpass, der sich seit Jahren aufbaut. Wir haben die wichtigsten Kennzahlen zusammengetragen.

−70 %
Ausbildungsverträge seit 1998
~2 %
der ReFas sind ohne Stelle
~3.000
dauerhaft offene Stellen
+77 Tage
längere Besetzungsdauer

1. Rund 70 % weniger Ausbildungsverträge seit 1998

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge für Rechtsanwaltsfachangestellte sinkt seit über zwei Jahrzehnten. Um die Jahrtausendwende entschieden sich noch knapp 6.000 junge Menschen pro Jahr für den Beruf; zum Stichtag 30.09.2025 waren es laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) nur noch 2.885 neue Verträge insgesamt — davon 2.068 im Ausbildungsberuf ReFa. Gegenüber dem Ausgangsniveau von 1998 entspricht das einem Rückgang von rund 70 %. Der Nachwuchs, der heute fehlt, wurde also schon vor Jahren nicht ausgebildet — und lässt sich kurzfristig nicht ersetzen.

2. Praktisch Vollbeschäftigung: Nur ca. 2 % der ReFas sind ohne Stelle

Der Arbeitsmarkt für Rechtsanwaltsfachangestellte ist faktisch leergefegt. Nahezu alle ausgebildeten ReFas sind in Beschäftigung — wer wechselt, hat die Auswahl. Für Kanzleien bedeutet das: Es gibt keinen Bewerberpool, aus dem man schöpfen könnte. Jede Neubesetzung ist ein Abwerbewettbewerb, den kleine Kanzleien gegen Justiz, Unternehmen und Großkanzleien mit besseren Gehältern und geregelteren Arbeitszeiten oft verlieren.

3. Rund 3.000 dauerhaft offene Stellen

Für Fachangestellte und Assistenz in Kanzleien sind seit 2024 konstant etwa 3.000 Stellen ausgeschrieben (Quelle: Lawgentur 2026). Diese Lücke schließt sich nicht — sie ist zum Dauerzustand geworden. Der STAR-Bericht der BRAK zeigt zudem: Gerade Einzelkanzleien trifft es am härtesten, dort bleiben etwa 14 % der Stellen unbesetzt.

4. Besetzungen dauern 77 Tage länger als geplant

Wenn eine Stelle überhaupt besetzt werden kann, dauert es im Schnitt 77 Tage länger als geplant (Quelle: Lawgentur 2026). Für eine kleine Kanzlei heißt das: mehr als zwei zusätzliche Monate, in denen Abrechnungen liegen bleiben, Fristen manuell überwacht werden müssen und die Anwältin oder der Anwalt Verwaltungsarbeit statt Mandatsarbeit leistet — Zeit, die nicht abgerechnet werden kann.

Warum sich der Trend nicht umkehrt

Die Rechtsanwaltskammern haben reagiert: Die Ausbildungsvergütungen wurden mehrfach deutlich angehoben, und der Rückgang der Ausbildungszahlen hat sich zuletzt verlangsamt. Doch das Grundproblem bleibt: In einer Befragung des IFB gab über die Hälfte der aktuellen ReFa-Azubis an, nach dem Abschluss gar nicht in einer Kanzlei arbeiten zu wollen. Selbst wenn die Ausbildungszahlen morgen stabil blieben, kommt in den Kanzleien zu wenig davon an — während gleichzeitig geburtenstarke Jahrgänge in den Ruhestand gehen.

Was das für kleine Kanzleien bedeutet

Für Einzelkanzleien und kleine Einheiten ist die Konsequenz unbequem, aber klar: Die Strategie „Wir stellen einfach eine ReFa ein" funktioniert immer seltener. Wer sie findet, zahlt deutlich mehr als noch vor fünf Jahren — und trägt weiterhin das volle Ausfallrisiko durch Urlaub, Krankheit oder Kündigung.

Deshalb setzen immer mehr Kanzleien auf ein anderes Modell: Verwaltungsaufgaben wie Abrechnung und Forderungsmanagement werden ausgelagert — an spezialisierte Dienstleister, deren geschulte Rechtsfachangestellte als flexibler Layer auf den bestehenden Kanzleisystemen arbeiten. Die Kanzlei behält dabei die volle Kontrolle: Alle Vorgänge werden vorbereitet, aber im Namen der Kanzlei und erst nach deren Freigabe umgesetzt. Rechtliche und organisatorische Details sind in unseren häufigen Fragen zu adiura beantwortet.

Quellen

  • BRAK/BIBB, Statistik „Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge" (Jahresvergleich 1998–2025).
  • BRAK Nachrichten aus Berlin 2/2026.
  • STAR-Bericht (Bundesrechtsanwaltskammer).
  • IFB-Studie im Auftrag der Selbsthilfe der Rechtsanwälte e.V.
  • Lawgentur 2026.